ÖSV-Grasski Racecamp 2017 ​

Drei Tage in der Ferne

Fünf Bad Tatzmannsdorfer Teilnehmer, mehr als aus jedem anderen Verein, machten sich am Freitag, den 19. 5. 2017 auf in Richtung Schwarzenbach in Niederösterreich, um am ÖSV-Grasski Racecamp 2017 teilzunehmen. Vier davon betraten absolutes Neuland, denn ausser unserem Routinier Tim Fülöp machten unsere tapferen Teilnehmer ihre Gehversuche bisher ausschließlich im heimischen Grasskizentrum Rettenbach.

So wurde bereits die Anreise zum ersten Abenteuer: Nachdem das „richige“ Schwarzenbach identifiziert war (ja, es gibt mehrere Orte dieses Namens in Niederösterreich), fragte man sich bei ortskundigen Mountainbikern durch. Denn Wegweiser, wie bei uns in Rettenbach, sucht man an unserem Ziel vergeblich …

Wie daheim – die Grasski-Family-Experience

Einige Kilometer hinter dem Ort und mehrere Bauernhöfe später dann die ersten wohlbekannten Zeichen, hinter einer Biegung lacht ein Riesentorlauf rot/blau auf saftig grüner Wiese hinter den Bäumen hervor. Wir sind am Ziel.

Unsere ersten Grasski-Erfahrungen „in der Ferne“ fühlen sich trotzdem wie zu Hause an. Zum Einen, weil einige bekannte Gesichter auftauchen, zum anderen aber, weil die gleiche familiäre Athmosphäre zu spüren ist, die wir auch von den Aktiven in Rettenbach schon kennen und lieb gewonnen haben. Organisator Reinhard Zickbauer heißt uns persönlich willkommen – und ergänzt die, trotz aller Bemühungen, unvollständig mitgenommene, Ausrüstung um das beim Grasskifahren so wichtige Ketten-Öl.

Unsere kleinen Teilnehmer, die ja bereits seit einigen Wochen in Rettenbach trainieren, werden, ebenso wie Neueinsteiger aus Nieder- und Oberösterreich vom Trainerteam um Hannes Posch fachkundig, aber nichts desto weniger einfühlsam betreut. Tatkräftig unterstützt wird er (man stelle sich vor, ähnliches gäbe es im Winter …) von den A-Kader und Nationalteam-Läufern Sascha Posch und Kristin Hetfleisch, sowie von zahlreichen freiwilligen Helfern des Veranstalter-Clubs BSV-Voith.

Nach einigen ersten Aufwärmrunden, die zu Fuß erledigt werden, geht es auch schon hinauf, und zwar mit dem Bus. Hinunter geht es natürlich auf Grasschi, und das geht von Anfang an bei fast allen sehr gut.

Am Samstag gibt es dann, nach den obligaten Aufwärmübungen, erstes gezieltes Riesentorlauf- und Slalomtraining. Nach einem längeren Mittagessen beim offenbar etwas überforderten Dorfwirten wird auch wieder gezielt Technik trainiert. Und zwar in Form eines anspruchsvollen Parcours, der etwas an die Minicross Disziplinen des Winters erinnert. Wir nennen das jetzt einmal (in Unkenntnis eines offiziellen Namens) Grasski-Cross. Neben engeren und weiteren Kurven und Toren, unter denen die Kinder hindurch fahren müssen, gibt es hier als besondere Attraktion zwei Sprünge und – von den Kindern weniger geliebt, vom Trainingseffekt aber besonders effizient, zwei Vierecke (unten im Bild zu sehen), die möglichst eng umrundet werden müssen.

Die Piste in Schwarzenbach – die Flaggen der Riesentorlauf-Tore weisen uns Neuankömmlingen den Weg

Grasski-Cross. Nicht nur Spaß für alle jungen Teilnehmer, sondern auch eine extrem effiziente Übung

Der Höhepunkt: Die Rennen zum Austria-Cup am Sonntag

Wir müssen uns nichts vormachen: Der Höhepunkt eines Race-Camps ist natürlich nicht das Training, so sehr das auch Spaß gemacht hat, sondern das Rennen! Dementsprechend nervös waren alle Teilnehmer und wohl auch die Eltern am Sonntag.

Der begann, wie man an den Bildern teilweise noch erkennen kann, zunächst mit strömendem Regen und dunklen Wolken. Davon ließen sich die Aktiven jedoch nicht abhalten. Nachdem das Training für den das Camp abschließenden Riesentorlauf zunächst noch von 9.00 Uhr auf etwa 9.45 verlegt werden mußte, machte man sich, noch während die letzten Regentropfen fielen, auf den Weg zum Start.

Dann die große Anspannung: Auf Grund der Anzahl der Teilnehmer war klar, dass jeder, der durchkommen würde, auch eine gute Platzierung und wertvolle Punkte für den Austria-Cup mitnehmen würde. Nur ist „durchkommen“ gar nicht so einfach bei einem Grasski-Rennen. Die Verantwortlichen machten unmißverständlich klar, dass Torfehler nicht toleriert werden würden und unterstrichen das durch drei hoch motivierte und gut sichtbar postierte Torrichter entlang der Strecke. Wer sich mit Grasski ein wenig auskennt, weiß aber, dass es, anders als im Winter, nicht so einfach ist, zwischen zwei Toren Schwung aus dem Lauf zu nehmen. Mit anderen Worten:“ Bremsen ist nicht“. Es hängt daher alles von der Linie ab. Für die Routiniers alles kein Problem – aber wir hatten auch Sechsjährige am Start …

Dem trugen die Veranstalter durch einen klugen Austragungsmodus Rechnung. Der Riesentorlauf wurde als „best of three“, also mit drei Durchgängen ausgetragen, von  denen nur die beste Zeit gewertet wurde. Also drei Möglichkeiten, sicher ins Ziel zu kommen. Der Austragungsmodus und das Daumenhalten halfen. Unter den wachsamen Augen von ÖSV-Nachwuchskoordinator Klaus Krückel konnte, teilweise mit zarten Richtungshinweisen der elterlichen Zuschauer, jeder der 13 jungen Teilnehmer den Riesentorlauf erfolgreich beenden.

Nach einer kurzen Mittagspause, in der die Ausrüstung so gut wie möglich von den Spuren der vormittäglichen Schlammschlacht befreit und die Athleten, Eltern und Helfer mit vor Ort angelieferter Pizza gestärkt wurden, ging es an den Slalom.

Gleiche Strecke, aber 23 statt 12 Tore. Fast doppelt so viele Richtungsänderungen. Eine neue Herausforderung, gerade für die Kleinsten. Und nur zwei statt drei Durchgänge (von denen wiederum der bessere zählte). Also erneut Zittern. Unsere sechsjährige Aurelia als jüngste und daher erste Starterin, kämpfte sich, nach einem sturzbedingten Zwischenstop, tapfer durch 22 Tore – und verfehlte das letzte. Die 12 anderen Teilnehmer legten taktisch klug einen Sicherheitslauf hin. Zumindest 12 schon in der Wertung. Doch während der zuständige Torrichter noch überlegte, ob er das Drama denn jetzt tatsächlich gesehen hat, erlösten ihn Aurelia und der engagierte Cheftrainer Hannes von seinem Gewissenskonflikt. Hannes agierte in Aurelias zweitem Lauf – im wahrsten Sinne des Wortes – als Vorläufer. Aurelia überholte ihren Trainer, der wirklich bereits seine letzten Reserven moblisiert hatte, zwar ungefähr auf halber Strecke. Aber sie fuhr, einmal im richtigen Rhytmus, ohne größere Probleme fehlerfrei ins Ziel. Geschafft. Wieder alle 13 Starter im Ziel und in der Wertung. 13 lachende Gesichter bei der Siegerehrung. (Vollständige Ergebnisse hier)

Was bleibt, ist trotz Regen und Schlammschlacht am Sonntag und drei mal eineinhalb stündiger An- und Abreise die Erinnerung an ein sehr schönes und lehrreiches Wochenende. Und das Gefühl, jetzt auch irgendwie schon dazu zu gehören zu dieser grossen Famile. Herzlichen Dank an den BSV Voith St. Pölten und Reinhard Zickbauer für die Organisation, den Trainern Hannes Posch und Sascha Posch für ihren kompetenten Einsatz und die Geduld mit unseren Kids und allen Teilnehmern.

Die Athleten mit (von links nach rechts) Klaus Krückel, Hannes Posch, Sascha Posch und (ganz rechts) Reinhard Zickbauer nach der zweiten Siegerehrung

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